„Mein dickes Fell reicht für die Stadt, nicht fürs ganze Land“


Volker Spieth

Volker Spieth

Interview mit Volker Spieth, der seit 15 Jahren für die GRÜNEN im Stadtrat sitzt

(Quelle: Kehrwieder am Sonntag, 14.12.08) Hildesheim. Seit 15 Jahren sitzt Volker Spieth für die Grünen im Hildesheimer Stadtrat. Dafür wird er in der morgigen Sitzung geehrt. Vorab sprach KEHRWIEDER-Redakteur Jan Fuhrhop mit ihm über Lust und Frust der Oppositionsarbeit und sein Verhältnis zur Heimat Hildesheim.

KEHRWIEDER: Würden Sie sich als Idealist bezeichnen?
Spieth: Nein. Aber es gehört natürlich immer Idealismus dazu, wenn man einem Hobby intensiv nachgeht. Und wird sind alle Hobbypolitiker.

Seit 1993 sitzen Sie in der Opposition und rennen oft mit Ihren Anträgen gegen Wände der Ablehnung. Warum tun Sie sich das an?
Es sind natürlich Tage dabei, an denen es eher Frust ist und man ein dickes Fell braucht. In der Opposition hat man nun mal nicht so viele Erfolge. Aber über die 15 Jahre gesehen gibt es auch Dinge, die für uns ganz gut gelaufen sind und denen die anderen Fraktionen zugestimmt haben. Man hat schon einen gewissen Einfluss, auch als Opposition. Es ist kein reiner Idealismus, der mich antreibt. Es macht auch Spaß. Und ich mache das auch noch ein bisschen weiter.

Noch einmal 15 Jahre?
Das entscheide nicht ich. Die Partei muss vor der nächsten Wahl darüber entscheiden, ob ich das bisher gut gemacht habe oder nicht.

Haben Sie nach 15 Jahren keinen Bestandsschutz?
Nee, den gibt es bei uns nicht. Man muss immer wieder was zeigen. Was bei uns nicht funktioniert, sind Hinterbänklerrollen. Wir sind nur zu fünft und da muss man wirklich arbeiten.

Haben Sie sich noch als Exot gefühlt, als Sie vor 15 Jahren in den Rat gekommen sind?
Die ersten Grünen, die Anfang der 80er-Jahre eingezogen sind, hatten es sicherlich schwerer. Da hieß es noch: Das sind doch alles Chaoten! Ich selber habe aber nie eine Ausgrenzung gespürt. Im Gegenteil, ich habe damals schnell den Vorsitz des Finanzausschusses übernommen. Wenn ich da nicht Leute aus dem Ausschuss, auch aus der CDU und aus der Verwaltung, gehabt hätte, die mir helfen und Fragen beantworten, wäre ich ziemlich aufgeschmissen gewesen. Mit manchen Ratsmitgliedern kommt man nicht so gut klar wie mit anderen. Das liegt dann aber an den Persönlichkeiten und nicht unbedingt an der Parteizugehörigkeit. Wichtig ist die Einigkeit der eigenen Fraktion. Wenn es da stimmt, dann ist auch egal, was die anderen sagen.

Haben Sie das Gefühl, dass Ihre Anträge oft abgelehnt werden, nur weil sie von den Grünen kommen?
Es gab Zeiten, da war das sicher so: Als es noch die festen Mehrheiten der CDU unter dem Regime von Hartmut Möllring gab, manchmal mit, manchmal ohne FDP. Mittlerweile hat sich das aufgeweicht. Von meinen Anträgen, die ich in den letzten Jahren gestellt habe, ist doch manches durchgekommen. Wenn auch mit großer Verzögerung. Den ersten Vorschlag zur Zweitwohnungssteuer zum Beispiel habe ich schon vor zehn Jahren gemacht.

Ist das etwas, das Sie im Rat gelernt haben: Beharrlichkeit und Ausdauer?
Ja, auf jeden Fall. Man kann nicht mit dem Kopf durch die Wand. Das geht gar nicht. Wenn etwas nicht klappt, aber man überzeugt ist, dass die Inhalte richtig sind, dann muss man es eben wieder versuchen.

Fühlen Sie sich in der Opposition zu Hause oder träumen Sie davon, einmal Mehrheitsführer im Rat zu sein?
Wir wären natürlich trotzdem kleiner Partner einer großen Fraktion, das ist klar. Aber gerne würden wir natürlich diese Rolle einnehmen, das ist gar keine Frage.

Haben Sie jemals mit dem Gedanken gespielt, für den Landtag zu kandidieren?
Nein. Mein dickes Fell reicht für die Stadt, nicht fürs ganze Land.

Warum setzen Sie sich für die Stadt ein, was mögen Sie an Hildesheim?
Was ich schon immer gemocht habe an Hildesheim ist, dass es eine überschaubare Großstadt ist. Ich mag das große kulturelle Angebot. Wichtig ist auch, dass ich am Samstag über den Markt gehe und hier Leute kenne. Ich fühle mich hier gut aufgehoben.

Gibt es etwas, das Sie gar nicht mögen an Hildesheim?
Der Hang, immer größer sein zu wollen, als man ist. Ein bisschen mehr Bescheidenheit wäre nicht schlecht. Und dazu die Erkenntnis: Eigentlich ist es gut so, wie wir sind.

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